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Dirk0 15.08.2003

Abenteuer Oman

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Abenteuer Oman

Zwischen Wüsten und Wadis
Eine Reise durch den Oman angesichts der Irak-Krise? Diese Bedenken bekam Andreas Hülsmann immer wieder zu hören, wenn von seinen Tourplänen zum Horn von Arabien erzählte. Doch von den Spannungen am Golf war in dem Sultanat nichts zu spüren. Im Gegenteil: Überall im Land schlug dem ihm wahre Begeisterung und Gastfreundschaft entgegen.
Die komplette Reportage mit vielen Bildern findet Ihr unter http://www.motorradkarawane.de​

„Welcome in Oman“ schallt es uns aus dem Lautsprecher entgegen. Mit Blaulicht und Sirene hatten uns die Gesetzeshüter verfolgt, aber weder Führerschein noch Fahrzeugpapiere sind für sie von Interesse. Blanke Neugier ist der Grund für diese Kontrolle. Es kommt wohl nicht oft vor, dass sich Motorradfahrer aus dem Abendland in diese Gegend verirren. Die beiden Polizisten scheinen für jede Abwechslung dankbar zu sein, denn ihr Revier ist die Route 31, die am Rande der Rub al-Chali in den Süden des Sultanates führt.

Es ist die größte geschlossene Sandwüste der Welt, die sich durch den Süden Saudi Arabiens und durch Teile des Oman und des Jemen zieht. Menschenleer und karg ist dieser Landstrich, so karg, dass es noch nicht einmal für einen Namen reicht. Die Menschen nennen diese Wüste schlicht „Das leere Viertel“. Ein passender Name, denn seit wir Nizwa verlassen haben, fahren wir durch eine flache Landschaft, in der das einzige Ziel, das die Augen erfassen können, der Horizont ist. Nicht einmal Dünen gibt es an den östlichen Ausläufern der Rub al-Chali. Daher ist auch für uns der Small Talk mit der Staatsmacht eine willkommene Abwechslung.

Die Monotonie der Landschaft fordert ihren Tribut. Immer wieder sehen wir Autowracks am Straßenrand. Auf der fast 1.000 Kilometer langen Strecke von Nizwa nach Salalah führen die meisten Fahrer einen ständigen Kampf gegen die Müdigkeit. Auch die beiden Polizisten haben uns zum Abschied ermahnt, unterwegs genügend Pausen einzulegen.

Am nächsten Tag verändert sich die Landschaft dramatisch - vor uns taucht das Al Qara Gebirge auf. Zunächst sind es nur kleine Hügel und einige Sträucher, doch mit jedem Kilometer werden die Erhebungen höher und die Vegetation dichter. In engen Kehren geht es hinunter nach Salalah. Die Straße wird gesäumt von Weihrauchbäumen. Einst war Weihrauch der Reichtum der Region. Von Salalah aus gingen die „Tränen der Götter“ um die halbe Welt. Das Harz der kleinen knorrigen Bäume wurde mit Gold aufgewogen, prägte Kulturen und verhalf Königen zur Macht. Der Jahrtausende alte Weihrauchhandel spielt heute kaum noch eine Rolle. Nur wenige Bauern sammeln das Harz. Die Produktion reicht gerade, um den Eigenbedarf des Landes zu decken. Der heutige Reichtum des Oman fällt nicht mehr von den Bäumen, er ist schwarz und flüssig und liegt tief unter der Erde.

Doch im Souq der Stadt ist Weihrauch auch heute noch der Renner. Der Geruch dringt aus fast jedem Laden und vermischt sich in den engen Gassen mit den anderen Düften, die sich aus Gewürzen und Parfüm zusammensetzen. Ein wahres Fest für die Sinne. Diese Welt wirkt auf uns fremdartig und faszinierend zugleich. Für die Händler sind wir begehrte Objekte. Außerhalb der Saison kommen nur wenige Touristen in die Stadt und es geht eher beschaulich im Souq zu. Doch im Sommer, wenn der Monsun die Region erblühen lässt, dann kommen die Touristen zu Tausenden. Fast zwei Monate wird dann die Sonne vom Himmel verbannt. Eine verkehrte Welt, denn die Urlauber, die aus allen Teilen der arabischen Halbinsel kommen, tauschen die Sonne gegen grauen Himmel. Sie sind verrückt auf den Regen und den Nebel, der über Tage so dicht sein kann, dass die Sicht nicht mehr als 25 Meter beträgt. Für uns Europäer unverständlich, doch die Araber, die Sonne im Überfluss haben, lieben dieses „Schmuddelwetter“.

Bis zum Mittag bleiben wir im Souq. Allmählich schließen die Händler ihre Geschäfte, um sich für die nächsten Stunden vor der Hitze zurückzuziehen. Silke und ich machen uns auf zum Jebel Samhan. Über kleine Pisten klettern wir mit unseren Motorrädern hinauf ins Gebirge. Oben auf dem fast 1.800 Meter hohen Gipfelplateau ist von der Hitze nicht mehr viel zu spüren. Eine frische Brise pfeift uns um die Ohren. Einige Zeit halten wir uns in dieser wohltemperierten Atmosphäre auf.

Am nächsten Tag fahren wir wieder Richtung Norden. Bis Thamarit folgen wir noch der gut ausgebauten Route 31. Von dort aus geht über eine Piste in die Ölfelder rund um Marmul. Der Weg ist die erste richtige Herausforderung für die Fahrwerke. Kilometerlang werden wir durch den wellblechartigen Untergrund heftig durchgeschüttelt. Die Orientierung wird schwieriger. Das Durcheinander an Pisten, die zu den einzelnen Ölfeldern führen, ist manchmal ziemlich verwirrend. Aber nach zwei Stunden ist Marmul erreicht. Zweckmäßig ist wohl die passende Beschreibung für diesen Ort. Etwas Schönes ist diesem Platz in der Wüste nun wirklich nicht abzugewinnen. Niemand würde dort leben, wenn es das Öl nicht gäbe. Wir füllen die Tanks und unsere Wasservorräte auf und ziehen weiter. Unser Zelt schlagen wir irgendwo in den Ölfeldern auf. Es ist eine gespenstische Stimmung, die um uns herum herrscht. Die Förderanlagen sind hell erleuchtet, und das dumpfe Wummern der Pumpen ist die ganze Nacht über zu hören.

Am nächsten Morgen geht die Suche nach dem richtigen Weg weiter. Ausgeschilderte Orte sind auf der Karte einfach nicht zu finden. Doch auf die Hilfsbereitschaft der Menschen kann man sich verlassen. Drei junge Männer in einem verbeulten Pickup nehmen sich unser an. Mit der Landkarte können sie allerdings auch wenig anfangen. Mit einer Mischung aus englischem und arabischen Kauderwelsch erklären sie uns gestenreich den Weg. Dabei erfahren Silke und ich auch so ganz nebenbei, warum das Kartenmaterial in diesem Land so schlecht ist. Diese Art der Orientierungshilfe braucht hier nämlich kein Mensch. Es genügt, die grobe Richtung zum Ziel zu kennen und weiteres lässt sich unterwegs erfragen.

Mit den neuen Zielvorgaben machen wir uns auf den Weg Richtung Küste. Wir lassen uns Zeit auf unserem Weg Richtung Norden. Machen immer wieder kleine Abstecher zur Küste, wo uns in den kleinen Dörfern pure Begeisterung entgegenschlägt. Silke und ich sind einfach nur begeistert von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen hier im Oman. Etwas enttäuscht bin ich allerdings vom Zustand der Straßen. Exzellent wäre wohl noch untertrieben. Wir bewegen die Motorräder auf schieren Meisterwerken der Straßenbaukunst. Eben wie ein Küchentisch. Es gibt nicht viel, was die Fahrwerke unserer Motorräder zu verarbeiten haben.

Am Horizont tauchen die Dünen von Wahiba Sands auf. Im Vergleich mit anderen Sandwüsten ist die „Ramlat al Wahiba“ mit einer Fläche von knapp 15.000 Quadratmetern eher ein Sandkasten. Doch zum Spielen für Off-road-Cruiser a la Africa Twin - zumindest im beladenen Zustand - nicht geeignet. Eine schweißtreibende Erfahrung, die ich in der Nähe von Al-Hawaiyah machen muß. Die kleine Oase liegt direkt am Rand der Wahiba Wüste und ist von hohen Dünen eingeschlossen. Da ist die Strecke zum Wadi Bani Khalid schon mehr nach meinem Geschmack. Zwar geht es zunächst über Asphlalt, doch die letzten Kilometer gleichen einer Achterbahnfahrt. Steigung von bis zu 25 Prozent müssen bewältigt werden. Wadi Bani Kahlid hat das Zeug zu einer Bilderbuchoase. Eingerahmt von Bergen ist grün die dominante im Wadi. Der kleine Ort Moqel liegt in mitten eines dichten Palmenwaldes. Die kleinen türkisfarbenen Seen mit ihrem glasklarem Wasser, verführen zum Baden. Doch auf einem großen Schild, bitten die Bewohner von Moqel dies nicht zu tun, da sie aus diesen Wasserlöchern auch ihr Trinkwasser beziehen.

Das Kap Ras al-Ginz, im äußersten Nordosten des Oman, ist unser nächstes Ziel. Zwar verspricht die Landkarte eine Piste, doch zum größten Teil ist auch die Route entlang der Küste schon asphaltiert. Die Schildkröten dürften wohl der Grund dafür sein, dass auch in diesem entlegenen Teil des Sultanats ein solch straßenbaulicher Aufwand betrieben wird. Die Ostküste der arabischen Halbinsel ist ein bevorzugtes Brutgebiet der Meeresschildkröten und im Nationalpark am Kap Ras al-Ginz lassen sich diese Meeresbewohner bei ihrem Brutgeschäft beobachten. Um die sensiblen Tiere bei der Eiablage nicht allzu sehr zu stören, wachen Ranger über das Verhalten der Besucher. In stockdunkler Nacht folgen wir einem Parkwächter zum Strand. Die großen Meeresschildkröten kommen nur im Dunkeln zur „Geburtsvorbereitung“ an den Strand. Für die Tiere ist die Eiablage eine äußerst anstrengende Angelegenheit und die Letzten verlassen erst bei Tagesanbruch den Strand.

Auf dem Weg nach Sur werden wir für die entgangenen Off-road-Einlagen mehr als entschädigt. Die Pist vom Kap ist eigentlich sehr gut, doch nach einem heftigen Gewitterschauer hat sie sich in eine Schlinderbahn verwandelt. Immer wieder müssen wir tiefe Pfützen durchqueren. Fast einen halben Tag brauchen wir für den nicht einmal 60 Kilometer langen Weg.

Die Stadt Sur ist ein beschaulicher Fischerort und wäre kaum einen Besuch wert, wären da nicht die Dhauen. Seit Jahrhunderten werden diese Schiffe Sur gebaut und an der Art und Weise hat sich kaum etwas geändert. Die Hände sind das bevorzugte Werkzeug der Schiffsbauer damals wie heute wird kein einziger Nagel beim Bau verwendet. Holzzapfen und Hanfseile sind seit je her die Materialien, die eine Dhau zusammenhalten. Einst eröffneten diese prachtvollen Segler Handelswege nach Indien und Afrika und brachten den Menschen an der Küste Reichtum und Wohlstand. Doch Handelsbeziehungen werden mit Hilfe der Dhauen heute nicht mehr gepflegt und nur noch selten sieht man ein solches Schiffe unter vollen Segeln im arabischen Meer.

Unsere nächste Etappe wird staubig. Wir richten die Vorderräder unserer Enduros Richtung Muscat, der Hauptstadt des Sultanats, aus. Die 150 Kilometer lange Piste hat alles, was ein Off-road Herz begehrt. Vom feinen Staub über losen Schotter bis hin zum üblen Wellblech finden wir das komplette Repertoire. Doch allzu lange wird man eine Staubschlacht zwischen Sur und Muscat nicht mehr schlagen können. Die Asphaltmischer sind auch hier schon unterwegs. Ein kleines bißchen weniger Abenteuer für uns und ein wenig mehr Wohlstand für die freundlichen Omanis.

Die komplette Reportage mit vielen Bildern findet Ihr unter http://www.motorradkarawane.de​

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